Derzeit  bereite ich eine CD Produktion vor.

Ich habe fünf wunderbare barocke Kirchenräume im Fricktal gefunden. Alle Solosonaten und Partiten BWV 1001-1006 werde ich nun in diesen Räumen aufnehmen mit meinen beiden Barockviolinen: Stainerkopie von G. Klier, Nürnberg 1994 und  Violine von T. & L. Carcassi, Florenz 1764. Ich verspreche mir ein sehr lebendiges Klangbild durch die verschiedenen Räume und die sorgfältig dazu ausgesuchten Werke und Violinen. Diese sehr aufwendige Produktion mache ich gemeinsam mit Tonmeister Uwe Hofmann aus Düsseldorf. Sie wird mich die nächsten Monate beschäftigen.

Die CD wird wohl frühestens Ende 2017 auf dem Markt sein. Ich freue mich über die Zusammenarbeit mit den Christkatholischen Kirchgemeinden Rheinfelden & Kaiseraugst, Möhlin, Hellikon-Wegenstetten-Zuzgen sowie mit dem Verein Hortus Dei Olsberg.

Der Christkatholische Medienverlag wird diesen „akustischen Fricktaler Kirchenführer“ herausbringen.



PROGRAMMFOLGE SEI SOLO A VIOLINO SENZA BASSO ACCOMPAGNATO

VON JOHANN SEBASTIAN BACH BWV 1001-1006



I Kirchenjahreszeit Advent & Weihnachten 


Sonata Ima à Violino Solo senza Basso di J. S. Bach in g-moll BWV 1001 (Stadtkirche Rheinfelden Hauptschiff, Stainerkopie)


Adagio

Fuga. Allegro

Siciliana

Presto



Partia Ima à Violino Solo senza Basso in h-moll BWV 1002 (Klosterkirche Olsberg, Carcassivioline)


Allemanda - Double

Correnta - Double

Sarabande - Double

Tempo di Borea - Double





II Kirchenjahreszeit Passion und Auferstehung


Sonata IIda à Violino Solo senza Basso in a-moll BWV 1003 (Christkath. Kirche Zuzgen, Stainer-Kopie)


Grave

Fuga

Andante

Allegro



Partia IIda à Violino Solo senza Basso in d-moll BWV 1004 (Christkath. Kirche Kaiseraugst, Carcassi-Violine)


Allemanda

Corrente

Sarabanda

Giga

Ciaccona





III Kirchenjahreszeit Pfingsten & Trinitatiszeit


Sonata IIIza à Violino solo senza Basso in C-Dur BWV 1005 (Stadtkirche Rheinfelden von der Empore, Carcassi-Violine)


Adagio

Fuga

Largo

Allegro Assai



Partia IIIza à Viollino Solo senza Basso in E-Dur BWV 1006 (Christkatholische Kirche Möhlin, Stainer-Kopie)


Preludio

Loure

Gavotte en Rondeaux

Menuet Imo

Menuet IIdo

Bourée

Gigue



ISABEL SCHAU – SOLOVIOLINE

Violine von Lorenzo & Tommasso Carcassi, Florenz 1764

Kopie nach Jacobus Stainer um 1690 von Gerhard Otto Klier, Nürnberg 1994



SEI SOLO à violino senza basso accompagnato“


- so lautet der offizielle Titel auf dem Frontispiz der sechs Solosonaten und Partiten von Johann Sebastian Bach. In wunderbar geschwungenen Lettern von Bachs Hand steht noch darunter „libro primo“... Die Musikwissenschaft rätselt, was das dazugehörige „libro secondo“ sei... man vermutet z.B. die sechs Solosuiten für Cello, die uns allerdings nur in Abschriften erhalten sind. In jedem Fall aber ist das Autograph der Violin-Solosonaten und Partiten eine der schönsten Reinschriften von Bachs Hand, wenn es nicht sogar die schönste ist.

„Libro Primo“ könnte man auch so deuten, dass dieses Buch Bachs erstes Buch, sein persönlichstes und privatestes ist. Geschrieben wurde es in Köthen, in einer Zeit, in der der bekennende Lutheraner Bach bei einem reformierten Fürsten als Hofkapellmeister angestellt war. Instrumentalmusik im Gottesdienst und Orgelmusik gab es hier nicht. Bach komponierte für die Kammer, nicht für den Altar. Seinem persönlichen Glauben konnte er nur in der lutherischen Gemeinde nachgehen.

Man weiß heute, dass Bach seine Solosonaten sehr geschätzt hat; er soll sie tagtäglich gespielt haben, und zwar nicht auf der Violine, sondern am Clavichord, dem vielleicht privatesten aller Instrumente. Clavichord ist zwar ein Instrument mit der Möglichkeit, sehr differenziert den einzelnen Ton zu gestalten, aber es ist sehr leise.

So erscheint die Theorie der Violinistin und Musikwissenschaftlerin Helga Thöne durchaus plausibel, dass Bach sich in jenen an geistlicher Musik armen Köthener Jahren sein persönliches musikalisches Gebetbuch mit den Violin-Solosonaten und -Partiten geschrieben hat. Man kann die drei Sonaten und die drei Partiten den drei Kirchenjahreszeiten Advent & Weihnacht, Passion & Ostern sowie Pfingsten & Trinitatis zuordnen. Ganz offensichtlich ist das Thema der großen C-Dur-Fuge der 3. Solosonate BWV 1005 angelehnt an den altkirchlichen Hymnus „veni creator spiritus“ in der lutherischen Tradition: „Komm Heiliger Geist, Herre Gott“. Frau Thöne geht sogar noch weiter und findet im harmonischen Gefüge versteckt lutherische Choralzeilen, die dem jeweiligen Werk das innere Programm geben. Die Allemande der h-moll-Partita weist offensichtliche Parallelen zur Kantate BWV 61 „Nun komm der Heiden Heiland“ auf. Es handelt sich in beiden Fällen um eine französische Ouvertüre und der Bass enthält die Choralmelodie allerdings mit einer Alteration, damit es in das harmonische Konzept h-moll (Partita) / a-moll (Kantate) passt. Versteckt sind daneben auch noch jede Menge zahlensymbolischer Bezüge, wie übrigens im gesamten Bachwerk. So ergibt der erste Takt der Ciaconna den gleichen Zahlenwert wie der Name Maria Barbara Bach, die erste Frau Bachs, welche verstarb, während Bach mit seinem Fürsten in Karlsbad weilte. Als er zurückkehrte war sie bereits „tot und begraben“ wie Forkel, Bachs Schwiegersohn und 1. Biograph notierte. Wir dürfen uns unter der Ciaconna also ein „Tombeau“ - einen Grabgesang vorstellen.

Vermutlich wurde Bach 1709 durch die Freundschaft mit dem nahezu gleichaltrigen Violinisten Johann Georg Pisendel dazu angeregt, Solissimo-Werke für Violine zu komponieren: Pisendel besuchte Bach damals in Weimar und hatte seine eigene Solissimo-Sonate mit im Gepäck, ein extrem anspruchsvolles Werk, dessen technische Anforderungen über jene der Bachschen Soli hinausgehen. Pisendel ist wohl auch der gedachte Adressat der Violinsoli. Ob er sie gespielt hat, wissen wir nicht... Obwohl die Werke nie gedruckt wurden waren sie offensichtlich zumindestens einigen Musikern bekannt: So wird in Johann Matthesons theoretischen Schriften Bachs Themenwahl der C-Dur Violinfuge kritisiert, wohingegen jene der a-moll Solosonate als idealtypisch erscheint...


Die Violinen:

Isabel Schau schätzt den sehr unterschiedlichen Klang unterschiedlicher Violinmodelle. Für die Solosonaten und Partiten hat sie zwei verschiedene Barock-Violinen zur Verfügung, die beide mit 3 unumsponnenen Darmsaiten und einer Runddraht-umsponnenen G-Saite bezogen sind. Sie spielt dazu einen Hochbarock-Bogen von Hans Salger (Bremen).


Violine von Lorenzo & Tommasso (!) Carcassi, Firenze 1764

Violine nach Jacobus Stainer um 1690  von G. O. Klier-Loudoni, Nürnberg 1994


Die Carcassi-Violine ist vom Modell her ähnlich wie eine Amati: Schlank und relativ hochgewölbt. Im Vergleich zu den flacheren Modellen eines A. Stradivari hat sie einen feinen, obertonreicheren hellen, strahlenden Klang.

Auch die Stainer-Kopie ist hochgewölbt, dabei aber viel runder und „bauchiger“ als die Carcassi. Der Klang besticht durch noch mehr Obertöne. Dabei ist der Grundklang der Violine, verglichen mit einem Stradivari-Modell feiner. Bach selbst besaß eine Stainer, und Pisendel unterscheidet die Violinen folgendermaßen: Man brauche für Orchester-Tutti lautere, flacher gewölbte Violinen (im Sinne A. Stradivaris), für das Solospiel (Kammermusik und Solissimo) feinere höher gewölbte Modelle (im Sinne Stainers und Amatis).


Im Zuge des Umbaus zu modernen Violinen im 19. Jahrhundert hat sich das Verhältnis umgedreht: die flacheren Violinen haben den Umbau mit mehr Druck besser verkraftet. Ausserdem wurde Lautstärke in der spätromantischen und modernen Musik zum Gütesiegel eines Instrumentes. Immer grössere Sääle mussten gefüllt werden...


Carcassi –Violine von 1764, Foto von Hannes Kirchhoff